Die Geschichte der spanischen und amerikanischen Besatzungszeit auf den Philippinen

Schon im Jahr 1521 versuchte der unter spanischer Flagge segelnde portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan die Philippinen zu erobern. Er verließ Spanien am 10.9.1519 und segelte mit fünf Schiffen in Richtung Westen. Nach 18 schweren Monaten erreichte Magellan mit seiner halb verhungerten Crew die Philippinen. Er wurde von verschiedenen Eingeborenenstämmen freundlich empfangen und mit Verpflegung versorgt. Auch auf Cebu wurde er freundlich empfangen, und er schloß Freundschaft mit dem dortigen Häuptling Humabon, mit dem er sogar Blutsbrüderschaft schloß.

Humabon hatte Schwierigkeiten mit Lapu-Lapu, einem seiner Vasallen. Magellan wollte seinem Freund mit der Kampfkraft der Spanier imponieren und beschloß, nach Mactan zu segeln, der Cebu vorgelagerten Insel, auf der Lapu-Lapu regierte, um ihn zu unterwerfen.

Dort wurden die Spanier aber schon im knietiefen Wasser angegriffen, so daß sie sich mit ihren schweren Rüstungen kaum bewegen bzw. wehren konnten. Die leicht bekleideten Filipinos griffen die Spanier mit Speeren, Pfeil und Bogen und mit feuergehärteten Stöcken an und besiegten sie entscheidend. Lapu-Lapu soll in dieser Schlacht Magellan mit dem Kampilan, einem speziellen Schwert der Filipinos, erschlagen haben. Lapu-Lapu gilt seither als der erste Großmeister des Arnis, welches damals noch Pangamut hieß

Nur ein Schiff der Spanier kehrte am 6.9.1522 wieder nach Spanien zurück und vollendete damit eine für die Menschheit historische Reise: die erste anerkannte Umsegelung der Welt.

Drei weitere Eroberungsversuche scheiterten, wobei Roi Lope de Villalobos, der im Jahre 1543 die Philippinen erreichte, die Inselgruppe zu Ehren von Prinz Philip, dem späteren König Philip II. "Filipina" nannte.

Dieser König Philip II. schickte 1559 Miguel Lopez de Legazpi mit einer Expedition mit fünf Schiffen zum philippinischen Archipel, den er am 21.11.1564 erreichte. Durch umsichtiges und faires Handeln den Eingeborenen gegenüber konnte Legazpi sich ihr Vertrauen sichern und bekehrte sie zum katholischen Glauben. Durch diese missionarische Tätigkeit konnte Legazpi nach und nach die Zentralphilippinen und die nördlichen Inseln unter seinen Einfluß und damit unter spanische Herrschaft bringen.

Damit verdrängte er die Moslems, die schon seit ca. 150 Jahren den Islam zur Hauptreligion im Süden der Philippinen gemacht hatten, von ihrem Sultanat "Maynila", dem späteren Manila. Den Süden der Philippinen, Mindanao, konnte allerdings weder Legazpi noch sonst eine Macht bis heute unter ihre Herrschaft bringen. Das lag unter anderem an dem religiösen Wahn und der Kenntnis der philippinischen Kampfkünste, mit denen die Moros (Moslems) ihre Widersacher terrorisierten.

In den von ihnen kontrollierten Gebieten fanden die Spanier erst Gefallen an den Kampfkünsten der Filipinos, die ursprünglich nur von Königen und Fürsten ausgeübt wurden, zur Zeit der spanischen Besatzung aber schon weit verbreitet waren. Bald aber erkannten die Spanier die Gefahr, die ihnen von den Kampfkünsten drohte, und so begannen sie schon im Jahr 1596 Arnis unpopulär zu machen und verboten es 1764 ganz.

Offizielle Begründung war, daß die Filipinos nur noch trainierten und ihre Felder nicht mehr bestellten. Es kann aber vermutet werden, daß es den Spaniern zu gefährlich wurde, in jedem Filipino einen trainierten Schwertkämpfer vor sich zu haben.

Arnis wurde im Verborgenen weiter trainiert und die Techniken des Kampfes in Tanzbewegungen (die Tänze heißen u.a. "moro-moro", "sayaw" oder "sinulog") versteckt, so daß die Filipinos immer dann, wenn sie für die Spanier auf Fiestas tanzen sollten, vor den Augen ihrer Besatzer ihre Kampfkunst trainierten, ohne daß die Spanier etwas davon ahnten. Gleichzeitig mit dem Verbot des Arnis wurden auch die Bücher der Filipinos verbrannt und die Spanier versuchten auf diese Art, das philippinische Alphabet und die philippinische Kultur zu zerstören. Die Filipinos nähten daraufhin die Buchstaben ihres Alphabets als Verzierungen auf ihre Kostüme und so konnten diese Teile der philippinischen Kultur überleben.

Ende des 19. Jahrhunderts regte sich in den Filipinos Widerstand gegen die jahrhundertelange Besatzung der Spanier und es formte sich eine Widerstandsbewegung unter Mitwirkung von Dr. Jose Rizal und unter Führung von Andres Bonifacio. Die Widerstandsbewegung hatte die Befreiung von den Spaniern durch Revolution zum Ziel und hieß "Ang Kataastaasan, Kagalanggalangang Katipunan ng Anak ng Bayan", kurz "Katipunan" oder "Triple K". 1896 hatte die Katipunan schon ca. 100.000 bis 200.000 Mitglieder. Nicht zuletzt durch die Kenntnisse in den philippinischen Kampfkünsten konnten die Filipinos den Spaniern während der Revolution schwere Verluste beibringen.

Durch den Untergang des auf Kuba stationierten amerikanischen Kriegsschiffes "Maine" im Jahre 1898, der den Spaniern angelastet wurde, und bei dem 246 Männer getötet wurden, kam es zu dem spanisch-amerikanischen Krieg. Die Amerikaner verbündeten sich mit der Katipunan und besiegten die Spanier auf den Philippinen schnell. Da den Filipinos von den Amerikanern die Unabhängigkeit versprochen worden war, erklärten sie die Philippinen am 23.01.1899 zur Republik.

Die Amerikaner ignorierten diese Vorgänge, da sie die Philippinen von den im Krieg unterlegenen Spaniern mit dem Vertrag von Paris am 10.12. 1898 zum Preis von 20.000.000 US-Dollar kauften. Die Amerikaner erklärten ihre Herrschaft über die Philippinen, ohne deren Selbständigkeit anzuerkennen.

So begann am 04.02.1899 die philippinische Revolte gegen die Amerikaner. Dieser Krieg dauerte vier Jahre, da die Amerikaner die Kampfkraft der Filipinos unterschätzten. Besonders in Mindanao, wo sich die Filipinos seit jeher gegen die Fremdherrschaft anderer Mächte aufgelehnt haben, bekamen die Amerikaner den Kampfeswillen der Filipinos zu spüren.

Ein Moslem, der einen "Juramentado", einen Amoklauf, antrat, rasierte sich den Schädel kahl und band sich ein rotes Stirnband um den Kopf. Dieses rote Stirnband war Personen vorbehalten, die schon mehrere (sieben) Gegner erschlagen hatten. Anschließend umwickelte er seine Hoden mit einem nassen Stück Leder. Das Trocknen und Zusammenziehen des Leders verursachte solche Schmerzen, daß er mit seinem Schwert amoklaufend alles niedermetzelte, was sich ihm in den Weg stellte, bis er selbst getötet wurde.

Ein historisch belegter Fall schildert den Amoklauf eines Filipinos, der auf einen amerikanischen Hauptmann zustürzte. Dieser schoß das ganze Magazin seiner Pistole Kaliber 38 in den Juramentado hinein, dieser brach aber erst zusammen, nachdem er den Hauptmann enthauptet hatte. Dies war der Grund für die amerikanische Armee, eine Pistole mit einer stärkeren mannstoppenden Wirkung zu entwickeln. So entstand die Pistole Kaliber 45.

Die amerikanische Spezialeinheit "Ledernacken" hat ihren Namen durch ein Stück Leder bekommen, das sich die Soldaten dieser Einheit auf ihren Patrouillen durch den philippinischen Dschungel zum Schutz gegen Giftpfeile und Schwertangriffe der Filipinos in den Nacken gebunden haben.

Nach vier Jahren Krieg waren aber (bis auf die Moros) die letzten aufständischen Filipinos besiegt, und so normalisierte sich das Leben ab 1902 wieder. Das änderte sich erst wieder, als die Japaner die Philippinen zehn Stunden nach Pearl Harbour angriffen, und nun die Filipinos gemeinsam mit den Amerikanern gegen die Japaner kämpften. Im Dschungelkampf fiel den im Umgang mit Messern und Macheten perfekten Filipinos besondere Bedeutung zu, und sie fügten den Japanern dort schwere Verluste zu.

Die Guerilla-Patrouillen bewegten sich immer in einer Dreiecksformation durch den Dschungel. Der beste Mann war an der Spitze und hatte die Aufgabe, einen eventuellen Angriff abzuwehren und den Angreifer kampfunfähig zu machen, wogegen die beiden hinteren Männer den Feind ausschalteten.

Nach dem 2. Weltkrieg und der Erklärung der Unabhängigkeit der philippinischen Republik am 04.07.1946 wollten die Filipinos die Zeit des Krieges vergessen, und so wurde Arnis nicht mehr oder nur noch an enge Familienmitglieder weitergegeben. Es gab von nun an keine Notwendigkeit mehr, Arnis zu beherrschen, um zu überleben, Arnis wurde zu einer sterbenden Kunst.

Es ist einigen Männern wie Remy Presas oder dem Canete-Clan zu verdanken, daß Arnis wieder geübt und gelehrt wird, nun aber weniger unter dem Aspekt des Guerillakampfes, sondern mehr unter den Gedanken der Kampfkunst und der Selbstverteidigung.